Blockparty in der Perry Lane – auf Ken Kesey’s Spuren…

In den warmen Monaten gibt es in unserer Nachbarschaft regelmäßig Blockpartys. An sich nichts Großes – die Anwohner in der Perry Avenue stellen ein paar Tische auf die Straße und  jeder, der im Umkreis wohnt und kommen will, bringt etwas Leckeres mit. Das Buffet baut sich sozusagen von alleine auf. Die Kinder kommen mit ihren Fahrzeugen und spielen auf der Straße. Es geht sehr International zu, eigentlich wie immer. Ich unterhalte mich mit der deutschen Au-Pair, die eine Familie mit Baby betreut, mit der Alt-Wienerin, die hier schon seit Jahrzehnten lebt und ihr Deutsch mit der Zeit verlernt hat und auch mit der „echten“ Amerikanerin, vor deren Haus eine große Amerika-Flagge weht. Unsere Kinder lieben die Perry Avenue, auch weil dort einen Modellbauer mit riesiger Garteneisenbahnanlage lebt – mit Brücken und Tunneln und allem Drum und Dran.
Als ich unserem Nachbarn Don von der Blockparty erzählte, hatte er geschmunzelt – „The famous Perry Lane and their parties. Ken Kesey lived there.“
Ich muss zugeben, dass mir (und auch Ben) Ken Kesey erst einmal nichts gesagt hat. Eine kurze Suche im Internet hat etwas Licht ins Dunkel gebracht. Ken Kesey ist Autor von „Einer flog über das Kuckucksnest“ und hat Anfang der 60er ein paar Jahre in Stanford Literatur studiert. Zur Finanzierung der Unkosten hatte er in der Psychiatrie am Stanford Krankenhaus gejobbt und zudem an offiziellen Experimenten zur Entwicklung und Wirkung von LSD teilgenommen. Gewohnt hat er in der besagten Perry Avenue, bekannt als „Little Bohemia“. Auch damals gab es regelmäßig Parties, die aber einen ganz anderen Flair gehabt haben: „In the Lane he was introduced to wine drinking, marijuana smoking, wife swapping, and a variety of new attitudes and practices,“ (Tanner, Stephen L., Ken Kesey , Twayne, 1983 zit. nach http://www.notablebiographies.com/supp/Supplement-Ka-M/Kesey-Ken.html). Gerüchten zufolge soll er sein berühmtes Ananas-Chili auch mit (damals legalem) LSD gewürzt haben. Er gilt mit seiner Gruppe „Merry Pranksters“ als einer der Initiatoren der Hippy-Kultur – und als Mitbegründer/Mentor der Band  „The Grateful Dead“, die als Hausband bei seinen „Acis Tests“ (Hausparties) galt. Das geschah allerdings, nachdem er hier aus Menlo Park weg- und in die nahegelegenen Berge nach La Hondas gezogen ist – wo wir übrigens immer mal wieder im netten Alice‘s Restaurant frühstücken.
Somit wohnen wir hier also in einer recht geschichtsträchtigen Nachbarschaft mit lebhafter Vergangenheit. (IB)

Weiterführende Links:

SFGate.com: The Edge of Civilization / Perry Lane, land of ambiguity

Stanford | Alumni: What a Trip – Ken Kesey’s visions of a different world set the Sixties in motion

Paul De Carli: Hanging out with Ken Kesey on Perry Lane