Der Winter im Silicon Valley

Bevor wir hier in die USA gezogen sind, haben uns ettliche Freunde und Bekannte davon geschwärmt, wie mild und trocken das Klima, vor allem die Wintermonate, hier in Kalifornien wären. Diese Erfahrungen beruhen bei den meisten auf den letzten etwa 5 Jahren, die in der Tat teils sehr trocken ausgefallen waren (California Drought). In der Tat war auch unser erster Sommer hier äußerst trocken – es fiel in den vier Monaten Juni-September 2016 nämlich überhaupt kein einziger Tropfen Regen vom Himmel (0,0 l/m²!). Die Verheißungen auf den Winter klangen also wie ein Trip auf die Kanaren, wo man sich – wer dort schon einmal war – mit etwas Glück im Februar am Strand in der Sonne aalen kann. Der November und die erste Dezemberhälfte waren in der Tat recht schön, so dass schon vor Weihnachten die ersten Blumen und Bäume ausgetrieben sind. Der Sonnenschein hat vor allem auch zur Reifung der vielen Zitrusfrüchte beigetragen, die wir hier in der Gegend (jetzt im Februar) ernten können. Auch die Squirrels scheinen im wahrsten Sinne des Wortes die Schnauze voll zu haben von dem eintönigen Winterfutter. Jedenfalls fallen sie seit wenigen Wochen aggressiv über die reifen Orangen in Sheilas Garten her. Kurzerhand hatte sie daher vor wenigen Tagen entschlossen, alle zu ernten und uns einen riesen Haufen vorbeigebracht – diese Orangen zählen mit zu den besten Orangen, die wir je gegessen haben!

Da

–  wir allerdings die letzten Wochen oft Raureif am Morgen beobachtet haben,
–  es sowohl bei unserer Anreise im März/April 2016 wie auch im Oktober während Flos Besuch ziemlich regnerisch war und
–  die teils monsunartigen Regenfälle seit unserer Rückkehr aus Deutschland die Gegend heimsuchen

habe ich mir die Klimadaten doch einmal etwas genauer angeschaut (Grafik unten). In der Tat bestätigten sich zunächst unsere zunächst subjektiven Beobachtungen der teils merklich höheren Niederschlagsmengen in den oben besagten Monaten. Die Jahresgesamtniederschlagsmenge von 16,2 inch (etwas über 400 l/m², Vergleich Erlangen/D um 650 l/m²) haben wir in dieser Regenperiode (Winterzeit) bereits merklich überschritten, bzw. alleine im Januar 2017 schon fast zur Hälfte erreicht. Entgegen der Grafik wurden nämlich an vielen Stellen hier in der Umgebung bereits über 8 inch (>200 l/m²) Niederschlag im letzten Monat gemessen, und es ist bisher kein Ende absehbar. Im Vergleich fallen in Erlangen monatlich etwa 40-80 l/m² pro Monat, je nach Jahreszeit. [Benjamin Butz]

Klimadaten Palo Alto
Tageshöchst- & -tiefsttemperatur (Linien), Niederschlagsmenge (Säulen)

Quellen
Niederschlagsmengen Palo Alto: usclimatedata.com (Temperaturdaten fehlerhaft)
Temperaturen Palo Alto: wunderground.com
Niederschlagsmengen Erlangen: wetterdienst.de

Ferner verfügt unser Häuschen, ebenso wie unser alter Wohnwagen in Bräuningshof, nur über eine schlechte Wärmedämmung und lediglich über eine Umluftgasheizung mit Auslässen in der Decke eines jeden Zimmer. 😉 Entsprechend frisch sind die morgendlichen Temperaturen und herausfordernd ist die Temperaturschichtung in den meisten Zimmern – unter der Decke warm, am Boden, wo die Kinder spielen oder wir am Esstisch, Arbeitstisch oder Sofa sitzen, recht kalt. Vor allem trocken ist die Luft nach längerem Heizen sehr trocken.

Schneefall ist hier übrigens äußerst selten. Das letzte Mal soll es in San Jose im Februar 1976 ein halbes inch geschneit haben (Link). Auflösung zu unseren Schneefotos: die Eisreste in Palo Alto fanden sich am Markt als Überreste eines Fischstandes, bei dem „Schnee“ an der Dining Hall handelt es sich um Seifenlaugenreste vom Putzen.

*** News 13.2.2017 *** (Links: CNN, Washington Post, Nationalgarde)
Aufgrund des anhaltenden, teils sehr starken Regens führen viele Flüsse Hochwasser. Entsprechend gab es seit Weihnachten hier schon ettliche größere Erdrutsche und lokale Evakuierungen wegen Überschwemmungen. Viele Wasserreservoirs und Stauseen in Nordkalifornien sind schon jetzt randvoll gefüllt und drohen, überzulaufen. So ist es dieses Wochenende am Lake Oroville nördlich von Sacramento geschehen. Der 230 m hohe Oroville Damm ist der größte in den USA und es  wurden die letzten Tage Ängste genährt, dass der Überlauf zu brechen drohe (CNN, Washington Post, Nationalgarde). Seit Samstag bis heute Nacht liefen Unmengen Wasser den offiziellen Überlauf hinab, der aufgrund von Vorschäden merklich in Mitleidenschaft gezogen und großflächig unterhalb des Kamms ausgewaschen wurde. Durch den aufgeweichten Boden besteht wohl eine unmittelbare Gefahr für den Kamm sowie für die seitliche Abstützung der eigentlichen Staumauer. Entsprechend wurde am späteren Wochenende vom Notüberlauf gebrauch gemacht (das erste Mal seit Inbetriebnahme). Vor wenigen Tagen wurde bereits die Kalifornische Nationalgarde in Bereitschaft versetzt und es wurden fast 200.000 Menschen unterhalb des Stausees evakuiert. Wikipedia ist auch schon up-to-date!


Courtesy: The Sacramento Bee

Die Verantwortlichen haben wohl Konsequenzen gezogen. Am Shasta-Stausee (Füllgrad >97 %), dem größten in Kalifornien, wurden die Auslässe bereits maximal geöffnet, um vor dem Hintergrund vorhergesagter Regenfällen den Wasserstand des Stausees vorsorglich zu senken.
*** News 13.2.2017 ***