Hin… und (leider) auch wieder zurück

Wie einige von Euch wissen, habe ich mich im letzten Jahr neben meiner wissenschaftlichen Tätigkeit hier in Stanford intensiv und letztendlich auch erfolgreich auf Professuren in meinem Fach in Europa beworben.

Wir alle sind sehr glücklich, dass meine Bewerbung und die folgenden Verhandlungen mit der Universität Siegen um eine W3-Lehrstuhlprofessur im Bereich der Mikro- und Nanoanalytik sehr erfolgreich verliefen und ich dort schon zum 2. Oktober 2017 mit der Arbeit beginnen werde. Alle hier sind schon ganz aufgeregt und unser Rückzug ist in vollem Gang, die Seefracht seit letzter Woche verschickt und der Rückflug nach Frankfurt für den 26.9.2017 gebucht. Wie schon bei unserem Herzug in die USA gibt es natürlich wieder Allerlei zu organisieren, angefangen vom Suchen und Anmieten einer neuen Unterkunft in Siegen über das Packen und Verschicken von zwei Seefrachtpaletten, die Veräußerung unseres Hausstandes in Menlo Park, den wissenschaftlichen Abschluss in Stanford und den Abschied von unseren Freunden hier bis hin zur detaillierten Planung unserer Ankunft und unseres Umzugs innerhalb Deutschlands. Einen Großteil unseres Hausstandes sowie unser Auto werden Pati und Stan übernehmen, die in unser Häuschen einziehen werden. Den Rest haben wir auf zwei Garage Sales in Bares umgemünzt oder verschenkt. Unser eigentlicher Hausstand ist ja noch in Karlsruhe eingelagert und wird Ende des Monats dann wieder mit einem 7,5t-LKW nach Siegen gebracht werden, wo uns einige Helfer beim Entladen am 1.10. unterstützen werden.

Wie es das Schicksal wollte, gab es zeitlich perfekt passend in den letzten beiden Jahren alleine in Deutschland etwa eine Hand voll ausgelobter W2- und W3-Professuren in der Elektronenmikroskopie. Entsprechend oft bin ich daher immer wieder für Bewerbungsinterviews und Verhandlungen nach Deutschland zurückgeflogen und habe unzählige Telefonate – wegen der Zeitverschiebung meist nachts ab 23:00 oder früh morgens ab 6:30 – geführt.
Zu einer solchen Bewerbung gehören neben dem üblichen Anschreiben und umfangreichen Bewerbungsunterlagen (nach Einladung zum Vorstellungsgespräch) ein wissenschaftlicher Vortrag, eine 15-30 minütige Lehrprobe für Studierende sowie ein wissenschaftliches Konzept angepasst an den jeweiligen Hochschulstandort. Da verschiedene Fakultäten (Physik, Chemie, Maschinenbau) die Stellen ausgeschrieben hatten, musste ich leider immer wieder nicht nur meine Bewerbungsunterlagen sondern auch meine wissenschaftliche Präsentation entsprechend anpassen. Ganz zu schweigen von der Lehrprobe: das Thema wurde jeweils von der ausschreibenden Fakultät bzw. der Berufungskommission vorgegeben und es hat mich bei manchem Thema über eine Woche gekostet, dieses überzeugend und gut vorzubereiten. Aber es hat sich letztendlich ja auch sehr gelohnt!

Mit einem weinenden und einem lachenden Auge genießen wir die letzten Tage und verabschieden uns schon von unseren ersten Freunden. Am Sonntag wird es noch eine letzte Abschied mit vielen Kindern zu Hause geben, am Montag dann ein letztes BBQ mit der Arbeitsgruppe bei Ai Leen und Bob. Für Sheila haben wir am Ende noch ein ganz besondere Überraschung. Wir vermissen Euch jetzt schon alle! [Benjamin Butz]