Phoenix/Arizona

Zu meinen wissenschaftlichen Aufgaben gehört es auch, Forschungsergebnisse zu publizieren und diese auf Tagungen der Fachwelt vorzustellen. Daher war ich Mitte April in Phoenix/Arizona auf einer der größten materialwissenschaftlichen Fachtagungen des Landes, der MRS Frühjahrstagung. Der Flug nach Phoenix hatte aber auch nur etwas weniger als zwei Stunden gedauert und wir haben es tatsächlich geschafft, für 5 Konferenztage und 3 Reisetage alles Nötige im Handgepäck unterzubekommen. Die Kinder waren sichtlich erstaunt, wie ich Anzug, Jeans, T-Shirts, Hemden, Unterwäsche, Krawatten & Accessoires, Schuhe, den Kulturbeutel und zwei Kleiderbügel ohne viel Geknitter in meinem Handgepäckkoffer unterbringen konnte – ich hatte sogar noch  ein drittes Paar Schuhe dabei. 😉 Die Kleiderbügel nehme ich übrigens mit, um den Anzug nach einem Arbeitstag beim Duschen im heißen Wasserdampf von den entstandenen Knittern zu befreien. Leider kann man die meisten Hotelbügel mit Kugelkopf dafür nicht gebrauchen. Karsten kam aber sofort auf die glorreiche Idee, einen kompakten Adapter für solche Hotelkleiderbügel zu entwerfen. Und so werde ich beim nächsten Hotelaufenthalt mal Maß nehmen. (Das Produkt könnte man sicherlich vermarkten, sollte es sowas noch nicht geben).
Phoenix ist eine der sonnenreichsten Städte der Erde mit über 300 Sonnentagen pro Jahr und eine der größten Städte der USA. Sie liegt im heißen, aber trockenen Niemandsland inmitten von Arizona an der Nordostgrenze der Sonora-Wüste. Die Stadt ist ist nicht wirklich interessant noch unbedingt sehenswert. Neben Hotels, Dienstleistungsunternehmen, der Stadtverwaltung, dem Kongresszentrum und einem Baseball-Stadium gibt es eigentlich nur noch Restaurants in Downtown Phoenix. In der Stadtmitte haben wir nicht einmal einen einzigen Supermarkt gefunden, um uns für unsere Trips vor und nach der Konferenz auszustatten. Das seltsame Bild der Stadt wird vor allem auch dadurch abgerundet, dass es, ganz im Gegensatz zur Bay Area, unter der Woche fast keinen Verkehr gibt – dabei war wohl Hauptreisezeit mit vielen Veranstaltungen?!

Phoenix gilt als eine der Vorzeigestädte, wenn es um die systematische Stadtplanung geht (NASA Nachtaufnahme). Hier scheint jeder Block im gesamten Stadtgebiet die gleiche Größe zu haben. Infos zu dem Thema findet ihr in auf dem sehr informativen US-Blog USA erklärt. Aufgrund des Klimas scheint die Gegend allerdings unter Rentners vor allem im Winter sehr gefragt (Sun City auf Google Maps, Sun City Link) und so hatten auch wir während der Konferenz etwa 37 °C Lufttemperatur bei sehr geringer Luftfeuchte, so dass ich es sogar mittags draußen im Anzug ausgehalten habe, ohne merklich ins Schwitzen zu kommen.

Phoenix bei Nacht von der ISS (www.NASA.gov), Downtown (hell) rechts, Sun City (dunklere Wohngebiete) links im Bild; Norden = linksoben

Im Vorfeld hatte mich Karsten davon überzeugt, vor der Konferenz einen zweitägigen Roadtrip in den Norden Arizonas zu unternehmen, um Wohnbauten (Pueblos) der ursprünglichen Ureinwohner aus präkolumbianischer Zeit (Sinagua-Kultur um 12.-14. Jahrhundert) sowie ein alternatives Lebens- und Wohnprojekt (Arcosanti) zu besuchen. An dieser Stelle ein ganz großes Dankeschön für die perfekte Organisation des Trips, lieber Karsten! Es hat wirklich viel Spass gemacht.
Der Trip führte uns über die Interstate 17 nach Cottonwood, einem Touristen- und Weinort?!, wo eigentlich keine Trauben wachsen, und von dort über die Highways 260, 87, 188 und über den Theodore Roosevelt Lake/Salt River zurück nach Phoenix. In Cottonwood hatte ich dann tatsächlich auch meine allererste Übernachtung in einem waschechten Motel, mit Auto vor der Tür und schrägen Gestalten.

Um die Übernachtungskosten gering zu halten, haben Karsten und ich uns für die Konferenz ein gemeinsames Zimmer im Hyatt direkt neben dem Kongresszentrum geteilt. Glücklicherweise hatten wir ein Zimmer in der 20. Etage mit direktem Blick nach Osten über das Kongresszentrum. Die Konferenz war aus meiner Sicht sehr erfolgreich und so konnte ich nicht nur mit zwei Vorträgen unsere Forschungsergebnisse präsentieren, sondern habe auch viel über aktuelle Forschungsthemen und die neusten methodischen Entwicklungen mitgenommen. Zudem habe ich mich sehr gefreut, alte Bekannte und Arbeitskollegen zu treffen, so dass sich nette Runden zum Mittag- oder Abendessen zusammengefunden haben.

Vor unserer Rückreise am Samstag hatten wir noch Zeit für eine Wanderung auf einen der nahegelegenen Aussichtshügel, den Camelback Mountain. Kurzerhand kam Robin, ein Kollege aus Erlangen, mit, da sein Flug auch erst am Nachmittag abhob. In Anbetracht der Tagestemperaturen und dem Mangel an Schatten sind wir schon gegen 7:00 gemeinsam von unserem Hotel mit einem Uber zum Startpunkt gefahren. Geplant war die Überschreitung von Nordwesten (morgens noch im Schatten) nach Südosten. Der dortige Parkplatz war gegen 7:30 wie im Internet beschrieben auch schon komplett gefüllt und entsprechend waren schon recht viele Leute auf der Route unterwegs. Die Wanderung selbst war recht spannend, ging doch der Auf- und Abstieg über recht felsiges Terrain, und hat sich auch wegen der guten Rundumsicht auf dem Gipfel gelohnt. Nicht wenige der Wanderer waren aber mit der etwas anspruchsvolleren Strecke und mit den Temperaturen sichtlich ge-/überfordert (gemessen an den US-Touri-Verhältnissen, wonach man z.B. National Monuments oft durch eine meist wenige 100 m kurze, flache Wanderung erreicht). Aber ich muss zugeben, dass die Tour für unsere beiden Mädchen auch nichts gewesen wäre. 😉 Sicherlich hätten sie aber viel Spass beim Klettern in der Gegend gehabt. Gefrühstückt haben wir auf der Strecke dann natürlich – nicht wie alle anderen – im Schatten kurz unterhalb des Gipfels. Der Abstieg ging ebenfalls über Granitbrocken und Platten, jetzt allerdings in der prallen Sonne, und wir haben uns sehr gewundert, wieviele Besucher uns jetzt erst, kurz vor der Mittagszeit auf der Südseite den Berg entgegenkamen. Wen wundert es da, dass regelmäßig kollabierte Touris ausgeflogen werden müssen.

Der Heimflug war etwas verspätet, so dass Karsten und ich erst nach Mitternacht wieder in Menlo Park ankamen. Beigetragen hatte dazu auch eine Uber Pool-Fahrt, bei der zwischendurch noch mehrere andere Gäste ein- und ausgestiegen sind. Zuhause angekommen habe ich mich riesig über ein übergroßes Willkommensplaket („Welcome home, Papa!“) von Dorothea gefreut, an dem sie mehrere Tage gearbeitet hatte. Nach der anstrengenden Woche hatte ich dann am darauffolgenden Morgen aber sichtlich Mühe, mit den Kindern um kurz vor 8 aufzustehen (bis mir Inge in den Hintern getreten hat ;-)).