Der (Trut-)hahn ist tot, der Hahn ist tot

…oder einfach nur „Thanksgiving“.  In jungen Jahren wurden wir in Deutschland mit dem Kanon aus Frankreich konfrontiert, in Amerika durften wir nun unser erstes richtiges Thanksgiving feiern.
Die letzten Wochen gab es, unserem ursprünglichen Bild von Thanksgiving entsprechend, recht viel Geflügel in allen Größen, Formen und Facetten. Thanksgiving, das Pendant zu unserem deutschen Erntedankfest, das auf die ersten Erntedankfeste der Pilgerväter Anfang des 17. Jahrhunderts an der Ostküste zurückgeht, wird in den USA am 4. Donnerstag im November gefeiert. Es ist nach Weihnachten das zweite große Fest in den USA, wo sich Familie und Freunden treffen und allem Guten und dem Erfolg und den Errungenschaften des vergangenen Jahres gedacht und gedankt wird. Aber warum ausgerechnet Truthahn? Diese Frage wird, wie viele von Euch wissen, ausführlich in „Asterix in Amerika“ beantwortet; ich sag nur: „gubbel gubbel gubbel gubbel…“. Wildschweine, wie bei uns, gibt es hier ja keine…
Am Mittwoch vor Thanksgiving waren wir über Steven, einen unserer Doktoranden, und seine Freundin Hsiao Tieh mit Kind und Kegel zum Turducken-Essen eingeladen. Gespannt vergingen die Tage von der Einladung bis zur Party; von einem Turducken hatten wir bisher noch nie gehört 😉 Ihr vielleicht? Die Party fand bei Jana & Matthijs, zwei jungen Stanfordstudenten aus Deutschland und den Niederlande, in deren von Stanford Housing zur Verfügung gestellter Einzimmerwohnung statt. Da fühlte ich mich gleich in meine eigene Studentenzeit zurückversetzt. Nur die zwei eigenen Kinder, die zwischen all den jungen Studenten auf dem Boden rumgekugelt sind, passten nicht so ganz in dieses Bild. Geschickterweise verfügt die Wohnung über einen riesigen Balkon, auf dem das Buffet aufgebaut werden konnte, so dass sich alles etwas verlaufen hat. Der Turducken, ein zuvor entbeintes und verschachteltes Geflügel aus Hühnchen (chicken), Ente (duck) und Truthahn (turkey) (mit etwas Speck) wurde von den Gastgebern zusammen mit Hsiao Tieh (wohlgemerkt Vegetarierin!) zubereitet und hat wohl über 12 h Zubereitungszeit gekostet – die sich aber auf alle Fälle gelohnt hat! Alle warteten ganz gebannt darauf, was da aus dem Backofen kommen würde 😉 Das nachträgliche Aufteilen gestaltete sich aufgrund der fehlenden Knochen naturgemäß als recht einfach… Alles in allem hat uns der Abend riesig gefallen.
Am folgenden Tag hatten wir eine ganz besondere Einladung.  Das original amerikanische Thanksgiving durften wir bei unserer lieben Nachbarsfamilie, Molly und Joe mit Kindern,  verbringen. Hier gab es klassischen Truthahn mit vielen Beilagen, zu denen wir neben selbstgemachtem Rotkraut und Knödeln noch andere Leckerei beigetragen haben. Da auch einige Freunde der Familie mit ihren Kindern (alles nur Mädchen!) vorbeikamen, war die Stimmung natürlich entsprechend lebhaft. Es gab viel zu lachen und zu erfahren. lustige Spiele und viel Unterhaltung! Vielen Dank, Molly und Joe, für das herzliche Willkommen und das super Fest!
Der Freitag nach Thanksgiving ist als Black Friday bekannt und berüchtigt; der darauffolgende Montag wird Cyber Monday genannt. Der Black Friday scheint danach benannt zu sein (unbelegt), dass Geschäfte früher ab diesem Tag „schwarze Zahlen“ geschrieben haben. Jedenfalls beginnt mit diesem Tag mit einem drastischen Ausverkauf stark reduzierter Waren die vorweihnachtliche Einkaufssaison. Impressionen zu diesem Tag, an dem sich Heerscharen von Menschen um die besten Angebote wortwörtlich schlagen, findet ihr auf youtube.com (black friday shopping). Wir blieben mal lieber zu Hause, nachdem Sheila uns mehrfach davor gewarnt hatte, an diesem Wochenende um Thanksgiving einkaufen zu gehen. Vor allem wartete auch Holz bei Karsten, um in eine Barrel-Sauna verbaut zu werden. [Benjamin Butz]