Unser Alltag: Lebensmittel einkaufen…

Supermärkte

Vorab: Generell ist die Einkaufskultur hier etwas anders. Die Verpackungsgrößen sind hier erheblich größer (man kennt die Gallonenflaschen Milch aus manchen amerikanischen Filmen) und vieles ist noch einiges mehr in Folie und Plastik verpackt als in Deutschland. An der Kasse ist das Band jedoch recht kurz, auch in den großen Supermärkten. Man legt da alles ganz gemütlich drauf und unterhält sich mit dem Personal („Was kochen Sie denn damit?“ „Das sieht aber lecker aus, wie bereitet man das zu?“  „Wie alt sind Ihre Kinder?…“ „Oh, wir verkaufen zurzeit viele Läusekämme….“). Nach dem Einscannen packt der Kassierer oder ein extra Verpacker alles in Tüten. Es gibt übrigens keine Plastiktüten –  nur welche aus Papier; viele Kunden bringen auch selber Tüten oder wir Deutschen auch Klappboxen mit. Das dauert alles ein bisschen und man kann gemütlich mit der Karte bezahlen und überlegen, ob man noch Geld abheben oder etwas an eine gemeinnützige Organisation spenden will (wird alles nach und nach am Kartelesegerät abgefragt). Wenn ich mit Kindern unterwegs bin und viele Getränke kaufe (vergleichbar mit 2 oder 3 Getränkekisten in Deutschland), werde ich gefragt, ob sie mir den Einkauf zum Auto bringen sollen. Wenn ich an einen Aldieinkauf zu Stoßzeiten denke – das wäre hier undenkbar. Aber der Service hat auch seinen Preis: Lebensmittel und Verbrauchsgegenstände sind hier einiges teurer.

Nach nun rund 8 Monaten kann ich sagen: Wir wissen nun endlich, wo es was zu welchen Preisen und in welcher Qualität gibt. Das war ein recht langwieriger Prozess mit einigen Experimenten und Fehlkäufen.

Zuerst habe ich mich auf Empfehlungen gestützt. Unsere ersten Vermieter meinten, „Whole Foods“ wäre der beste Supermarkt. Dieser Supermarkt hat alles in Bioqualität, auch Kosmetika aus Deutschland, frisches Biofleisch und Obst. Die Preise sind allerdings gesalzen und ich bin nur dort, um besondere Produkte oder Fleisch einzukaufen. Der zweite Tipp zum Einkaufen war „Trader Joe’s“. Diese Supermarktkette gehört zu Aldi. Ist damit aber nicht vergleichbar. Dieser Markt führt europäische Ware zu günstigen Preisen (z.B. deutsche Bratwurst, viele Käsesorten, Salami, Weine, Marmeladen…) – auch in Bioqualität. Standardprodukte wie Nudeln etc. sind aber etwas über dem Durchschnittpreis. Solche Sachen kaufen wir bei  „Safeway“, einer Supermarktkette vergleichbar mit Rewe. Dort habe ich erst nach ein paar Wochen die (kostenlose) Clubkarte erworben und erhalte dadurch Rabatte. Meist ist die Endsumme meines Einkaufs im Vergleich zum normalen Verkaufspreis etwa 25% günstiger. Ohne Clubkarte dort regelmäßig einzukaufen, macht keinen Sinn.
Obst und Gemüse ist, wie in Deutschland, etwas schwierig. Am Wochenende gibt es Wochenmärkte (auch auf dem Facebook-Parkplatz), die an sich das gleiche Angebot wie in Deutschland bieten. Es macht sehr viel Spaß, mit den Kindern von Stand zu Stand zu schlendern und die Produkte kostenlos zu probieren. Das Obst und Gemüse ist sehr frisch und lecker, aber man kann nur einmal die Woche einkaufen und auch nicht sehr günstig. Auch mit Wochenendausflügen lässt sich ein solcher Einkauf schlecht verbinden. Daher gehe ich zum Obst-und Gemüseeinkauf oft in mexikanische Läden. Die haben ein sehr gutes Angebot zu angemessenen Preisen und außergewöhnliches Gemüse wie Zuckerrohr, Kakteenblätter und Dinge, die ich noch nie gesehen habe. Zusätzlich kann man da einen recht annehmbaren Malzbierersatz (Malta Goya) kaufen.
Einmal im Monat gehe ich dann noch in „Restposten-Supermärkte“. Dort habe ich z.B. im Sommer Küchenrolle mit Weihnachtsmotiv oder Lindt-Osterhasen für 1$ pro Stück gekauft. Vieles dort ist Ramsch, aber dazwischen sind eben auch kleine Schätze versteckt. Mit Sheila war ich bisher einmal im „Costco“. Von den Produkten und den Verpackungsgrößen vergleichbar mit Metro – man muss die Mitgliedschaft allerdings bezahlen und  ohne kann man nicht einkaufen.
Was ich vermisste und was es zu entdecken gilt: Vanille gibt’s hier nicht in Kombination mit Zucker, sondern nur als Essenz – meist in Alkohol. In der Backabteilung suchte Benjamin vergeblich Rosinen, dafür findet man dort Marshmellows. Puddingpulver gibt’s nicht und Gries gibt es nur in ausgesuchten Geschäften. Dafür aber fertig eingeschweißte Lunchpakete für die Schule mit Sandwich & Obst oder auch fertig geschnipselte Obst- und Gemüseplatten. Zahnpasta ist hier ein Graus, wenn man die deutsche gewohnt ist. Einen richtig guten Kaffee habe ich auch noch  nicht gefunden. Achtung Zusatzstoffe: Selbst im normalen Mehl, Zucker oder Naturjoghurt können mehrere Zusatzstoffe drin sein. Bioeier können auch aus Käfighaltung kommen. Und Schweppes vermarktet hier alles, nur nicht Bitter Lemon. Gemüsebrühe als Pulver habe ich noch nicht gefunden (nur Fleisch- und Hühnerbrühe).  Und: keine Knollensellerie weit und breit. (IB)

Wochenmarkt in Palo Alto

Eine weitere Quelle frischer Lebensmittel stellen die regionalen Wochenmärkte dar. Den sehr gut sortierten Markt in Mountain View hatten wir schon am Anfang zusammen mit Claudia und Jörn erkundet. Allerdings fahre ich, Ben, an so manchem Sonntagvormittag mit dem Rad und Kinderanhänger (damit ich während des Einkaufs nicht alles tragen muss), auf den Markt in der California Ave in Palo Alto, machmal mit, manchmal ohne familiären Anhang. Dieser liegt gerade auf der entgegen gelegenen Seite des Uni-Campus und ist somit auch mit den Kindern mit dem Rad sehr schön und verkehrsberuhigt zu erreichen. Die Kinder lieben es, mich zu begleiten, da es an den meisten Ständen aufgeschnittenes Obst und andere Leckereien zum Probieren gibt (sogenannte „samples“), an denen man sich auch sattessen kann.
Durch die häufigen Besuche kennen wir die Stände und deren Angebot bereits sehr gut und so landen wir doch immer wieder bei den selben Händlern und Produkten, von denen ich hier wenige mit ein paar Hintergrundinfos kurz vorstellen möchte. In Anbetracht der derzeitigen Außenpolitik möchte ich damit ein paar positive Beispiele bringen, wie stark die Wirtschaftsleistung der USA (meiner Meinung nach auch die Qualität) und die Gesellschaft im Allgemeinen von Einwandern abhängt – ganz zu schweigen von den vielen Lateinamerikanern, die die Arbeiten erledigen, die sonst keiner machen würde.

Schoch Family Farmstead Creamery (Joghurt, Käse): Die Familie Schoch – 1944 aus der Schweiz in die USA ausgewandert und bei Moss Landing beheimatet – bietet super leckeren Naturjoghurt, frische Milch sowie selbstgemachten Käse. Während hier in Kalifornien (im Central Valley) die Milchfarmgröße wohl bei >1000 Kühen liegt, handelt es sich bei diesem Betrieb um einen eben kleinen Familienbetrieb, der hochqualitative Produkte regional an entsprechende Kunden verkauft. Beau Schoch, der auf dem entsprechenden Foto am Stand zu sehen ist, wurde für seine hochqualitativen Käsesorten auch schon ausgezeichnet.

Farmhouse Culture (Sauerkraut): Kathryn Lukas betrieb als Köchin in Stuttgart ein eigenes Restaurant und hat sich – wohlgemerkt als ursprüngliche US-Amerikanerin – dort mit dem Sauerkraut-Virus infiziert. Nach Ihrer Rückkehr gründete Sie das Unternehmen in Santa Cruz, das die Produkte nicht nur regional sondern bereits über mehrere hundert Vertriebsstellen in den USA verkauft. Auf dem Palo Alto Wochenmarkt jedenfalls treffen wir jedes Mal einen sehr netten Verkäufer, dessen Äußeres uns doch irgendwie an Leprechaun, den irischen Kobold mit dem Topf voll Gold – äh, Sauerkraut? – erinnert.

Esther’s German Bakery (Brot, Brezeln, Backwaren): Das Unternehmen wurde 1997 von Esther gegründet, kurz nachdem die Familie in die USA ausgewandert war. Der (familiäre) Wunsch nach dunklem Brot und Backwaren wie zum Beispiel Laugengebäck war scheinbar doch zu groß, so dass sie kurzerhand entschloss, die Bäckerei zu gründen. Nach bald 20 Jahren hat das Unternehmen viele Abnehmer und ein nennenswertes Vertriebsnetzwerk rund um die Bucht, das regelmäßig mit frischen Backwaren beliefert wird.
Ich habe bei mehreren Quellen (Link zu Forbes.com) gelesen, dass sich im Biergarten des Geschäftes der 19-Milliarden $-Megadeal zwischen Facebook (Mark Zuckerberg) und WhatsApp (Jan Koum) bei einem ersten Treffen der beiden Geschäftsführer angebahnt haben soll, von dem nun auch Claudia und Jörn profitieren.

Neben diesen Händlern gibt es natürlich viele Obst- und Gemüsehändler/Farmen, die entsprechend der jeweiligen Saison Ihre Produkte anbieten. Derzeit ist Zitruszeit und bald gibt es auch schon wieder die ersten Riesenkiwi (Fotos folgen), auf die wir uns alle schon sehr freuen. [Benjamin Butz]