Wild Wild West

  • Sequoia NP
  • Red Rock Canyon SP – Virgin River CG
  • Zion NP
  • Bryce Canyon
  • Red Cliffs Recreation Area
  • Coral Pink Sand Dunes SP
  • Lees Ferry CG
  • Page/Antelope Canyon/Glen Canyon Staudamm
  • Grand Canyon NP

Ab in den wilden Südwesten der USA – eigentlich wollten wir unseren zweiten Roadtrip zu den farbenfrohen Sandsteinformationen im Mai bei niedrigeren Temperaturen antreten. Nun hat es doch bis Ende Juni gedauert, bis wir – mitten in einer der größten Hitzewellen der letzten 100 Jahre – zu unserem Campingtrip über Las Vegas zum Grand Canyon, Bryce Canyon und Zion National Park aufgebrochen sind. Die Temperaturen im Death Valley haben dieses Jahr mit 127 °F / 53 °C zwar den Hitzerekord von 1913 (57 °C) nicht gebrochen (Bericht über Backtouristen), aber gefroren haben wir auf unserem Trip trotzdem nicht. Durch die sehr geringe Luftfeuchtigkeit waren die Temperaturen dennoch zu ertragen und dank guter Vorbereitung (Inge packte 18 Galonen (~70l)Trinkwasser ins Auto!), viel Sonnencreme, langer Kleidung und schicken Hüten haben wir die Reise ohne größere Blessuren oder Hitzeschocks vollends genießen können.
Uns hat es sehr gefreut, dass uns kurzerhand und überraschenderweise unsere Freunde  Pati und Stan mit ihren vier Kindern auf dem Trip begleitet haben. Damit haben wir, vier Erwachsene mit sechs Kindern unter 9 Jahren, uns in zwei vollgepackten Minivans auf den Weg gemacht. 🙂

Routenplanung

Nach wochenlanger Routenplanung und täglichem Check der Temperaturvorhersage sind wir zunächst mit der Hoffnung auf niedrigere Temperaturen außerplanmäßig für ein paar Tage in den bewaldeten Sequoia National Park/Kings Canyon gefahren. Neben den Küstenmammutbäumen, die wir bereits letztes Jahr besucht hatten (Reisebericht Nord-Californien), wollten wir uns dann doch auch diese Riesen anschauen. Danach haben wir uns entlang von Flüssen und Seen weitergehangelt — oder sind einfach tagsüber mit Klimaanlage im Auto weitergefahren. Wir hatten uns hier und da schon gefragt, wie es früher die ersten Siedler oder später die Autofahrer ohne Klimaanlage, dafür aber mit Wasserspritzflasche und offenen Fenstern, in der Gegend ausgehalten hatten.
Hier unsere Reiseroute von etwas über 4000 km / 2540 Meilen insgesamt (NP National Park, SP State Park, CG Campground):

Menlo Park — Sequoia NP — Red Rock Canyon SP — Virgin River SP — Zion NPBryce Canyon — Red Cliffs SP — Coral Pink Sand Dunes SP — Lees Ferry CG — Page — Grand Canyon NPLas Vegas — Tehachapi Mountain Park CG — Santa Cruz — Menlo Park

Sequoia National Park (390 km)

Einen Tag nach meiner Rückkehr aus Deutschland sind wir voller Tatendrang sonntags von Menlo Park zum Sequoia NP gestartet. Pati und Stan reservierten im Vorfeld einen netten Campingplatz im Wald auf dem wir uns  getroffen haben — die Reisegruppe, vor allem die Kinder, hatte sich schnell arrangiert und hat für den Rest der Reise sehr gut harmoniert. Auf dem Programm standen obligatorische Wanderungen und Ausflüge zu den beeindruckenden und größten Mammutbäumen (Sequoiadendron giganteum) der Welt (gemessen am Volumen des jeweiligen Einzelstammes) wie dem General Sherman Tree, dem General Grant Tree und einigen anderen z.B. entlang des Big Trees Trails um das Round Meadow — hier hatten wir auch unseren ersten waschechten Bären zu Gesicht bekommen. Dieser erste Stop bot für alle vor allem Entspannung am abendlichen Lagerfeuer mit Gitarrenmusik und leckerem Essen (selbstgemachte Sequoia-Spätzle mit sauren Linsen und Polnische Gemüsesuppe), Abkühlung im nahegelegenen Hume Lake und eine ausgeklügelte Schnitzeljagd für die Kinder über den Campingplatz hinauf in die benachbarte Mondlandschaft, einem früheren und bereits erkaltetem Waldbrandgebiet.

Red Rock Canyon SP (350 km) — Virgin River CG (550 km)

Da wir uns auf heiße Temperaturen einstellen mussten — die beiden darauffolgenden Wochen haben uns dann tatsächlich Temperaturen um 40 °C oder darüber erwartet —, hatten wir uns vor Abfahrt vom Sequoia NP kurzerhand entschlossen, noch einmal zum Hume Lake zum Baden zu fahren. Dann sind wir weiter Richtung Wüste – allerdings nicht durch das Death Valley, das zu dieser Jahreszeit auf Grund der Hitze generell für Wohnmobile und Mietwagen tabu ist. Unsere Route verlief etwas südlich und führte uns zunächst zurück ins Central Valley nach Bakersfield, wo wir uns am frühen Abend schnell um zwei Trommeln Schmutzwäsche, ein paar Einkäufe und unser Abendessen gekümmert haben. Danach ging es dann mit der untergehenden Sonne im Rücken weiter Richtung Mojave, ab dort den HW 14 ein paar Meilen nach Norden zum Red Rock Canyon SP (35.374572 N, -117.995934 W).  Bereits vor Mojave hatten sich starke Böen mit über 50 km/h aus W-NW abgezeichnet und so hatten wir dann nach Ankunft nachts um 22:00 Uhr alle Hände voll zu tun, das Zelt von Pati und Stan bei Windböen mit über 35 Meilen/h wetterfest aufzubauen. Glücklicherweise hatte der Wind in der Nacht viel früher als vorhergesagt wieder nachgelassen. Die Kinder hatte die Situation jedenfalls mit Humor genommen und sind erst einmal auf Entdeckungstour gegangen.  Nach dem Sonnenaufgang zeigte sich der Red Rock Canyon SP von seiner schönsten Seite. Wir standen inmitten einer fast schon unwirklich wirkenden Landschaft, zwischen Joshua Trees und sandigen Felsen. Benjamin hatte sich schon früh morgens vor dem Sonnenaufgang aus seinem Bett geschlichen und wunderschöne Fotos gemacht.  Hier, südlich des Death Valley, wachsen noch Gräser, ein paar Wildblumen und wenige Yucca Palmen/Joshua Trees auf dem sandigen Boden. Dazwischen huschen Hasen und Erdhörnchen. Spuren im Sand deuten auch auf Schlangen und anderes Getier.  Nach dem gemeinsamen Frühstück im Schatten des Autos und Entdeckungstouren unserer Kinder ging es dann auch direkt weiter Richtung Las Vegas, da es nach 10:00 Uhr doch wieder merklich heiß wurde.

Nach wenigen Stunden passierten wir einen seltsamen Ort namens Zzyzx und kurz darauf die drei Türme das in gleißendem Licht erstrahlenden Ivanpah-Kraftwerks kurz vor Las Vegas. Dieses weltweit größte (konzipierte) Solarthermie-Kraftwerk liefert nicht nur Strom, der zu einem nahmhaften Teil wegen Kraftwerksausfällen durch das Aufheizen von Wasser mit Erdgas (ohne Wärmerückkopplung!) ineffizient gewonnen werden muss. Es sorgt auch regelmäßig für Schlagzeilen durch Ausfälle, Brände und gegrille Vögel (Brand 2016, Gasverbrauch, Vogelsterben). Alles in Allem also gar nicht so einfach mit der regenerativen Energieversorgung.
In Las Vegas trennten sich nach einem gemeinsamen Essen erstmal unsere Wege – Pati und Stan verbrachten eine Nacht in Las Vegas, wir fuhren, nach einem kurzen Aufenthalt in der surrealen klimatisierten Welt des Venezien Hotels, weiter Richtung Zion NP mit der Hoffnung dort früh morgens einen Campingplatz zu ergattern. Am Virgin River SP legten wir noch einen Zwischenstopp ein – mit einem nächtlichen Mondscheinbad.

Zion NP (100 km)

Am nächsten morgen sind wir vermeintlich früh los. Allerdings hatten wir die Rechnung ohne das lange Wochenende zum amerikanischen Unabhängigkeitstag und die zusätzliche Zeitverschiebung zwischen Nevada, Arizona und Utah gemacht. Entsprechend kamen wir erst um 10:00 Uhr Ortszeit am Eingang des Zion NP an und wurden mit der Situation konfrontiert, dass die NP Campingplätze voll belegt waren. Glücklicherweise hatten wir aber dann doch in der Nähe des Parkeingangs in Springdale eine Möglichkeit auf einem privaten Campingplatz mit direktem Zugang zum Virgin River gefunden. Nach Ankunft sind wir dann erst einmal auf der anderen Straßenseite im „Spotted Dog Cafe“ sehr lecker für unter 10 $/Erwachsenem brunchen gegangen. Unsere Kinder schnappten sich danach Eimer und Schaufel, um Kaulquappen und Fische im Virgin River zu fangen – 100 m flußabwärts gab es dann tatsächlich auch ein Seil an einem ansehnlichen Baum, so dass unsere Kinder zu ihrer heiß ersehnten Flussschaukel kamen. Es war ja schon wieder über 40 °C heiß.  Dieser Campingplatz war zwar nicht so weitläufig wie die NP oder SP Campingplätze, dafür gab es aber eine merklich bessere Infrastruktur. Letztendlich waren wir alle sehr froh, ohne Reservierung wieder mal eine nette Bleibe für ein paar Tage gefunden zu haben.
Im Zion NP gibt es einen obligatorischen aber sehr effizienten Bus-Shuttel-Service in das eigentliche Tal, um dem Besucherstrom Herr zu werden. Der Service ist sehr gut organisiert und selbst bei großen Menschenmassen hat man keine langen Wartezeiten. So kam es, dass neben kleinerer Ausflüge und viel Zeit am Virgin River Pati und Stan mit allen sechs Kindern eine kleine Wanderung am Talende entlang des Flusses gemacht hatten (River Walk Richtung Narrows) und wir zu zweit den abenteuerlichen Aufstieg zum Angel’s Landing gewagt haben. Entgegen der meisten Touristen sind wir erst abends im Schatten nach 4:30 pm. Benjamin hatte tatsächlich darüber nachgedacht, den teils nur wenige Fuß breiten Grat vom Scott Lookout zum Gipfel mit den beiden Kindern zu wagen; mit geeigneten Klettersteigsets und Gurten natürlich. Aber von der Idee ist er dann doch recht schnell wieder abgekommen, nachdem sich herausgestellt hat, dass es auf dem Grat nur einen Weg mit wenigen Stellen zum Überholen und für Gegenverkehr gibt. Die Google-Maps 3D-Ansicht erhaltet ihr einen guten Eindruck von dem abenteuerlichen Aufstieg (37.271954 N, -112.950113 W). Oben angekommen gab es dann im Licht der untergehenden Sonne dann ein deftiges Abendessen mit herrlicher Aussicht auf das Tal und die umliegenden Berge.
Später hatten wir, motiviert durch die vielen „Tuber“ auf dem Virgin River auch zwei nicht ganz günstige, aufblasbare Reifen gekauft, um uns zusammen mit den Kindern flussabwärts treiben zu lassen. Dank dem Shuttelservice, der auch ganz Springdale abdeckt, kamen wir auch wieder ohne lange Wanderung sehr einfach zu unserem Campingplatz zurück.
Nach einem letzten gemeinsamen Frühstück mit allen Kindern im Spotted Dog Cafe und dem kleinen Umzug zum Independence Day haben wir uns dann für einen Tag weiter zum nahegelegenen Bryce Canyon auf den Weg gemacht.

Bryce Canyon (120 km)

Dieser riesige Canyon, der eigentlich gar kein Canyon im eigentlichen Sinne ist, ist mit seinen tausenden sogenannten Hoodoos weltbekannt und wirklich sehr beeindruckend. Auf unserem gesamten Trip zählt der Bryce Canyon definitiv zu den herausragenden Highlights und ist einer der schönsten Plätze, die wir gesehen haben. Während Ben und Stan eine Wanderung hinunter zwischen die Sandsteinformationen gemacht hatten, waren Pati und ich mit den Kindern zum Visitor Center gefahren. Wie jeder NP und viele SPs gibt es dort auch meist ein Museum zum jeweiligen Park. Neben vielerlei Informationen gibt es dort auch stets einen Shop mit Souvenirs, Postkarten, usw. Und Kinder und Jugendliche können hier bei den Rangern ihre Junior Ranger Prüfung ablegen und einen Anstecker (Badge) erhalten. Jeder Park hat sein eigenes Programm für Kinder. Um Junior Ranger zu werden, muss man verschiedene Aufgaben erfüllen: eine geführte Wanderung mitmachen, 10 Stücke Müll sammeln und Fragebögen in einem Heft ausfüllen. Thema der Rangerführung hier waren Dinosaurier des Erdmittelalters (Mesozoikum) sowie ein kleiner Teil zur Geologie der Region. Erstere hatten die Kinder natürlich in ihren Bann gezogen. Caroline und Dorothea hat dies immer sehr viel Spaß gemacht und sie haben bei jedem neuen Park aufs Neue geschworen, die Umwelt zu schützen, nichts zu hinterlassen/mitzunehmen und den jeweiligen Park stets in ursprünglichem Zustand zu belassen, um ihren Badge zu erhalten. Kreative Ranger haben den Schwur darauf erweitert, dass z.B: Geschwinster und Eltern gut zu behandeln sind und das Kinderzimmer stets aufzuräumen sei. Geholfen haben diese Schwüre bisher leider nicht viel. 😉 Immerhin achten sie jetzt beim Wandern und Campen auf unseren und sogar fremden Müll.

Red Cliffs Recreation Area (200 km)

Das letzte gemeinsame, und dennoch lohnende Ziel mit Pati, Stan und deren Kindern war die Red Cliffs Recreation Area bei St. Georg. Mittlerweile hatten wir ja schon Übung beim nächtlichen Aufbauen der Zelte. Und so hatten wir uns entschieden, nach der Wanderung im Bryce Canyon direkt dorthin aufzubrechen. Durch die Umfahrung des Brian Head Fire (diesmal mit NASA-Bericht) sind wir wieder einmal erst spät nach Sonnenuntergang dort angekommen. Da es bei den Wetterbedingungen generell eher schwierig war, unsere Kühltruhen dauerhaft mit Eiswürfeln zu kühlen, hatten wir zum Abendessen auch nur eine ausgeschränkte Auswahl – ein paar Sachen mussten definitiv entsorgt werden. Nichtsdestotrotz war es eine wunderbare, sternklare Nacht, in der wir uns noch einmal bestens unterhalten haben. Geduscht wurde auf dem Campground dort übrigens unter dem Wasserhahn, der am Stellplatz zur Verfügung stand. Leider war der Bach, der in frühen Sommermonaten noch einen abenteuerlichen Flusslauf mit kleineren Wasserfällen verspricht, völlig ausgetrocknet. Am nächsten Morgen staunten wir nicht schlecht, wohin vor allem die kleineren der Kinder überall geklettert sind (und dann teils wie Tintenfische mit Saugnäpfen am Fels hingen, wenn sie nicht mehr weiter kamen). Nach dem Frühstück sind wir noch auf eine kleine Mini-Wanderung zu versteinerten Dino-Fußspuren, die dieses vor über 100 Mio. Jahren dort im Schlamm zurückgelassen hatten. Als es dann aber wieder zu heiß wurde, haben sich unsere Wege getrennt und wir sind ohne unsere polnischen Freunde weiter Richtung Grand Canyon aufgebrochen. Wir hatten den Kindern ja noch versprochen, surfen zu gehen…

Coral Pink Sand Dunes SP (90 km)

Beim Durchstöbern unseres Reiseführers sind wir auf diesen wunderschönen SP gestoßen, der direkt auf unserer Strecke nach Page und zum Grand Canyon liegt. Und nachdem wir schon seit Tagen zwar durch Ödland (mit Büschen, Yukka-Plamen und Geröll) unterwegs waren, aber noch keine richtige Sandwüste zu Gesicht bekommen hatten, entschlossen wir in diesem etwas abseits gelegenen SP für eine Nacht vorbeizuschauen. Bereits nach knapp 40 Meilen asphaltiertem Highway bogen wir auf den HW 237 ab, der sich nach wenigen Meilen in eine einfache Sandpiste verwandelte. Nachdem uns dort ein Wohnmobil entgegenkam, verschwanden recht schnell unsere Sorgen, mit unserem schwer beladenen Toyota nicht mehr weit zu kommen. Inge hatte beim dem schwammigen Fahrgefühl auf dem feinsandigen Boden dann auch sichtbar Spaß.
Am Visitor Center angekommen hat uns ein hochmotivierter Ranger — man fragt sich schon, wo dieser sonst wohnt — über die Besonderheiten des Parks informiert und uns darauf hingewiesen, dass auch OHVs (Off-Highway Vehicles, scheinbar alles, was nicht auf asphaltierten Straßen unterwegs ist) in den Sanddünen unterwegs sind. Einen Stellplatz für die Nacht hatten wir auch wieder ohne Reservierung bekommen. Wir haben uns noch gleich die Ausstellung zu Tieren (und deren Spuren im Sand), Pflanzen und weltweit gesammelten Sanden angeschaut, bevor wir zu unserem Stellplatz gefahren sind. Ein Rodelbrett haben wir uns auch gleich bis zum nächsten Morgen ausgeliehen. Nach einem kurzen Abendessen, noch vor dem Sonnenuntergang, sind wir dann zu einer der großen Dünen losgetiegert, um das Rodelbrett auszuprobieren. Im superfeinen Sand, der genau hier, wo sich zwei gegenüberliegende Bergketten öffnen, abgelagert wird, ist das Laufen ganz schön anstrengend, noch vielmehr aber das Wiederhochlaufen auf die Düne nach erfolgreicher Rodelpartie. Neben Rodeln standen auch Dünenweitsprung und Vielfachpurzelbäume auf dem Programm, so dass wir ganz schön sandig wieder zu unserem Platz zurückkamen. Aber zu unserem Erstaunen gab es auf diesem Campingplatz heiße Duschen, wie scheinbar üblich in SP in Utah (Auskunft Ranger). In Kalifornien weisen die meisten einfachen SP-Campground nur eine sehr einfache Toilette auf.

Lees Ferry CG (180 km)

Weiter ging es über Lees Ferry, einer ursprünglich von Navajos und später von Siedlern genutzten und befestigten, natürlichen Durchquerung des Colorado Rivers am östlichen Ende des Grand Canyon NP.  Wegen des Baus des Glen Canyon Staudamms bei Page ist der Ort heute hauptsächlich bekannt bei den Kunden der geführten Raftingtouren auf dem Colorado River, die nämlich dort an der Bootrampe starten. Nach einer Anfahrt bei Temperaturen über 40 °C bot uns der Colorado River am Nachmittag zunächst etwas Abkühlung. Das Wasser unterhalb des Staudamms hat allerdings erfrischende 8 °C, so dass sich außer Benjamin keiner zum Schwimmen in den Fluss getraut hat. Unseren Wasserhaushalt haben wir mit leckerer Wassermelone auf einem gesunden Level gehalten. Allerdings hat die Hitze die Kinder merklich mitgenommen, was man vor allem Dorothea (auch auf den Fotos) merklich angemerkt hat.
Als dann doch noch Wolken aufgezogen sind, sind wir kurzerhand zur Lonely Dell Ranch gewandert, die uns neben einer Ausstellung zur früheren Lebensweise auch leckere Pfirsiche (die leckersten, die ich je gegessen habe (IB)) auf der gepflegten Plantage geboten hatte. Die seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr bewohnte Ranch wird laut zuständigem Ranger wohl von Freiwilligen – womöglich mormonischen Nachfahren der ehemaligen Besitzer -, gepflegt und ist zur Besichtigung frei zugänglich. Dieser Tag und vor allem die darauffolgende Nacht waren mit die heißesten, die wir überhaupt auf unserem Trip, beziehungsweise in unserem ganzen Leben erlebt haben. Die Temperatur um Mitternacht lag immer noch um die 40 °C (kein Wind!) und so hatten wir eine sehr unruhige Nacht. Da wir die Befürchtung hegten, dass unsere Kinder unter den Bedingungen dehydrieren würden, hatten wir sie nachts mehrmals zum Trinken aufgeweckt . Benjamin hatte sich mit der Matratze einfach im Freien postiert und dort auf ein laues Lüftchen gehofft, das leider ausblieb. Die Morgentemperatur lag immer noch merklich über 30 °C. Daher sind wir mit einem einfachen Frühstück direkt an den nahegelegenen Strand am Colorado River gefahren und haben dort noch etwas Zeit verbracht, bis die Temperaturen in der Sonne wieder unerträglich wurden. Danach sind wir geflüchtet und im kühlen Toyota Richtung Page weitergefahren.

Page (80 km)

Unsere Telefone hatten hier in dieser Abgelegenen Gegend der USA für ein paar Tage keinen Empfang und so sind wir in Page erst einmal auf die Suche nach einer grünen Kaffeekette gegangen, um dort das kostenlose WLAN zu nutzen. Auch Eis für die Kühltruhen musste wieder nachgekauft werden. Außerdem war es angenehmer, im klimatisierten Supermarkt einzukaufen als draußen in der brütenden Hitze zu sein. Nachdem wir bei unserer Rundfahrt in Page zweimal an einem Smoker vorbeigefahren waren und es wirklich wunderbar gerochen hatte, sind wir dort zunächst mal zum Lunch geblieben. Es gab Pulled Pork mit Krautsalat und andere Leckeren in einem schattigen Biergarten unter einem ehemaligen Tankstellendach.
Von dort aus sind wir zum weltbekannten Antelope Canyon gefahren, um eine Führung zu buchen. Ohne Führer darf dieser leider nicht besucht werden, ganz zu schweigen von der etwa 5 Meilen langen Anfahrt auf sandiger Piste. Dementsprechend hoch sind die Preise. Wir haben als Familie 130$ für die noch letzte verfügbare Tour an diesem Tag gezahlt. Nachdem wir aber von mehreren Seiten gehört hatten, dass diese Besichtigung ihr Geld wert wäre, haben wir uns doch dafür entschieden. Die Zeit bis zur Tour überbrückten wir mit einem Besuch des Visitor Centers des Glen Canyon Staudamms. Die Kinder haben sich dort angekommen gleich wieder Ranger-Heftchen und Bleistifte organisiert, um wieder einen Ranger-Badge zu erhalten. Außerdem gibt es dort eine wirklich tolle Ausstellung mit ansprechenden Exponaten zur Geologie und Fauna der Region, dem Bau und Betrieb des Kraftwerks und vor allem auch den damit verbunden Problemen wie zum Beispiel dem massenhaften Fischsterben durch die erheblich gesunkene Wassertemperatur. Keinem von uns wurde das Warten zu lange, außerdem war es hier auch klimatisiert. 😉
Dennoch mussten wir alsbald auch schon wieder los, um rechtzeitig zur unserer Tour kurz vor 4:00 pm wieder am Parkplatz des Antelope Canyons anzukommen. Die Navajo Indianer hatten die Tour perfekt geplant. Die einzelnen Gruppen und Familien wurden aufgerufen und auf blaue Geländewagen verteilt. Zum Glück hatten wir einen sehr motivierten Fahrer, der scheinbar schnell hin und wieder zurück wollte und direkt nach dem Einsteigen losbrauste. Die Kinder fanden die Fahrt super – besonders die Schlaglöcher und vielen Bodenwellen, die sich im feinen Sand ausgeprägt hatten. Angekommen am Canyon standen dort schon einige Wagen – doch die Organisation der Menschenmassen, die hierher zu Besuch kommen, ist super. Es ist abgestimmt, wer wann rein- und rausgeht und an welchen Stellen Halt gemacht wird zum Fotografieren. Das Fotografieren bekommt man übrigens für alle Standard-Kameras und Handys in Sekundenschnelle erklärt – welche Einstellung und wo man stehen muss, dass die Fotos am besten wirken. Die Navajo legen auch großen Wert darauf, dass keiner sich mit Kritzeleien oder Graffiti im Canyon verewigt. Trotz der vielen Besucher ist er in einem naturbelassenen Zustand. Benjamin und ich waren beeindruckt von den Auswaschungen und dem Farbspiel im Canyon. Die Kinder fanden den feinen Sand toll und wollten schon bald wieder Jeep fahren. Unser Führer hat für uns auch ein paar Familienfotos gemacht. Für Fotos vom Canyon selbst war es um 4 Uhr nachmittags schon etwas spät. Daher wollen wir für fantastische Fotographien um die Mittagszeit gerne mal auf die Homepage von unserem Freund und ehemaligen Kollegen Levin Dieterle verweisen, der schon mehrmals hier in der Gegend unterwegs war (Photon-Hunter.de, Rubrik Fotographie/Canyon Lights). Nach einer staubigen Rückfahrt im Jeep, dieses Mal mit Gegenwind und erheblichem Sandstaub, bei immer noch viel zu heißen Temperaturen beschlossen wir, noch an diesem Abend Richtung Grand Canyon weiterzufahren. Schon während unseres Besuchs im Antelope Canyon waren dunkle Wolken aufgezogen und die Wettervorhersage weiter südlich sah Gewittersturm mit Starkregen voraus, so dass wir auf etwas Abkühlung hoffen konnten. In dem Zusammenhang hatten wir uns auch daran erinnert, dass immer wieder vor Flash Floods gewarnt wird. In Arizona kam vor wenigen Wochen fast eine ganze Famile mit Verwandten beim Baden ums Leben. Hier findet Ihr ein Video einer solchen Flut durch den Lower Antelope Canyon.
On the road again fuhren wir durch das Navajo Reservat und kamen (mal wieder im Dunkeln) am Desert View CG des Grand Canyon NP an. Ok, der Campingplatz (first come, first served) war an diesem Abend eigentlich wieder mal voll. Aber nach netten Nachfragen beim Host des Campingplatztes, bei dem es sich meist um einen netten älteren Herrn handelt, der einer jungen Mutter mit zwei süßen Mädchen einfach nichts abschlagen kann, haben wir durch unsere Familientaktik mal wieder einen „Notplatz“ bekommen. Irgendwie klappt es doch immer. Nach einem schnellen Abendessen sind wir dann ins Bett gefallen – bis auf Benjamin, der hatte scheinbar noch mit dem Eis vom Nachmittag zu kämpfen und hat die halbe Nacht das Wild am Canyon aufgescheucht.

Diese Ergänzungen erwarten Euch in den kommenden Tagen:

  • Grand Canyon (195 km) – Desert View CG, South Rim, Grand Canyon Village (25 Meilen)
  • Zwei Nächte in Las Vegas (450 km)
  • Rückreise über Tehachapi — Santa Cruz — Menlo Park (1000 km)